Bilder einer Ausstellung wider die Verletzung der Menschenwürde in Deutschland
Noch 12 Tage … Bilder einer Ausstellung wider die Verletzung der Menschenwürde in Deutschland
Vor der Urteilsverkündung in Karlsruhe: Wer sind die Menschen unter Hartz IV
Vor der Urteilsverkündung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Hartz IV erinnert Hartz4-Plattform Sprecherin Brigitte Vallenthin daran, welche Menschen es tatsächlich sind, die unter dem Stigma Hartz IV leben müssen. Die Bürgerinitiative richtet damit einen Appell an die Bundesregierung, sich bei all ihrem Handeln der Verantwortung bewusst zu sein, dass sie mit diesem Gesetz millionenfach Lebenschancen verhindert.Mit Unterstützung der Internet-Plattform Sozialticker – wo bis zum Tag der Hartz IV-Urteilsverkündung täglich der Link zu einem neuen Bild und Text gesetzt wird – veröffentlicht die Hartz 4-Plattform je ein neues Bild ihrer Ausstellung wider die Verletzung der Menschenwürde in Deutschland: „Hartz IV sind wir“. Zwölf beispielhafte Schicksale sind ein Spiegel von Hartz IV – ein Dokument dafür, dass die Nöte aus diesem Gesetz längst mitten in der Gesellschaft angekommen sind und keineswegs nur soziale Randgruppen betreffen.
12 persönliche Schicksale von millionenfachem, unverschuldetem Hartz IV-Leid und -Verzweiflung.Brigitte Vallenthin erinnert sich: „Anlässlich einer Eröffnung dieser Wander-Ausstellung in der Wiesbadener Altkatholischen Kirche brachte der gastgebende Pfarrer es auf den Punkt: „Es sind nicht nur die anderen, es kann Sie und Dich, jede und jeden treffen, und selbst wenn es uns vielleicht nicht „getroffen“ haben sollte, so müssen wir doch „betroffen“ sein, denn es geht uns alle an. Unrecht, Ungerechtigkeit muss geändert werden – dem sollten wir uns als direkt Betroffene oder als verantwortungsbewusste Mit-Betroffene nicht einfach so beugen, womöglich „weil es halt so ist!““ Es handelt sich um eine Wanderaustellung, die jeder sich ausleihen kann.
Anfragen an: info@hartz4-plattform.de
1. Peter Krehl
„Zwölf Tage vor der Urteilsverkündung möchte ich den Blick auf das Schicksal von Peter Krehl (Pseudonym) richten“, so Vallenthin. Der Computer-Techniker hat auf dem zweiten Bildungsweg zunächst Sozialpädagogik, später Mikroprozessor-Technik studiert. Sein ursprünglich erlernter Beruf war Kfz-Mechaniker. Nach Kündigung 2002, erfolgloser Jobsuche und schließlich aussichtsreichem Selbständigkeits-Aufbau stellt die Behörde plötzlich sämtliche Hartz IV-Leistungen ein.
Peter Krehls Bild der Ausstellung und die vollständige Geschichte ist beim Sozialticker mit folgendem Link zu
Und dort einfach auf das Bild klicken: Dann erscheint die Vergrößerung mit lesbarem Text.
2. Katharina Quandt
Hat Katharina Quandt nicht die ausreichende Qualifikation, die für den Arbeitsmarkt notwendig ist?
Nach Ihrer abgeschlossenen Ausbildung zur Buchhalterin übt sie diesen Beruf 20 Jahre lang ununterbrochen aus. Sogar Zusatzausbildungen in Rechnungswesen und Programmierung kann sie nachweisen. Es kommt die Kündigung. Die Arbeitsagentur vermasselt ihr einen möglichen Job. Mit 46 Jahren landet sie auf Hartz IV.
Zu Katharina Quandts Bild und der ganzen Geschichte:
3. Carlo Engels
Carlo Engels hat einen Traumberuf: Erzieher. Den hat er sich mit Abendschule und abgeschlossener Ausbildung erkämpft. Seit 2005 der Kindergarten, in dem er arbeitete, geschlossen wurde, sucht und sucht er. Doch er findet keine neue Einstellung, obwohl angeblich zahlreiche Kindergärten erfolglos nach der ausreichendenPersonalbesetzung suchen.Um nicht tatenlos herum zu sitzen, nimmt er ein berufsfremdes Jobangebot der Arbeitsagentur an. Der Knebelvertrag lässt ihn schlechter da stehen als zuvor mit Hartz IV.
Zu Carlo Engels Bild und der ganzen Geschichte:
4.Rosemarie Anton
Rosemarie Anton studiert Germanistik und Pädagogik. Schließlich wird sie Buchhändlerin, um Finanzierung und Alltag als alleinerziehende Mutter für sich und ihr Kind halbwegs unter einen Hut zu kriegen. Sie verliert den Job. Dann folgt das Übliche. Die ersten 30 Bewerbungen nimmt sie noch ganz locker. Aber irgendwann findet sie die Frage „Willst Du jetzt Spargel stechen gehen?“ nicht mehr komisch. Mit 49 Jahren beginnt sie, sich schweren Herzens darauf einzustellen, dass ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt wohl gleich null sind.
Zu Rosemarie Antons Bild und der ganzen Geschichte:
http://www.sozialticker.com/noch-9-tage-bilder-einer-ausstellung-wider-die-verletzung-der-menschenwuerde-in-deutschland_20100131.html
5. Alfred Einstein
Den Medien entnimmt Alfred Einstein immer wieder, die Industrie suche vergeblich Ingenieure und müsse aus Mangel an gut Ausgebildeten sogar im Ausland Ausschau halten. Die Wirklichkeit jedoch sieht ganz anders aus: 200 erfolglose Bewerbungen und kein einziges Angebot von der Arbeitsagentur.
Sein beruflicher Werdegang: abgeschlossenes Maschinenbaustudium, Berufserfahrung in
unterschiedlichen Arbeitsfeldern des Automobilbaus, zum Schluss gut dotiert als Design-Ingenieur.
Im Rahmen von Rationalisierungsmaßnahmen rausgeflogen, steht er mit 41 Jahren vor der Frage: Aufgeben?
6. Isabella Schmidt
Isabella Schmidt (Pseudonym) sieht sich als Alleinerziehende von Amts wegen gezwungen, von ihren minderjährigen Kindern zu leben. Das Lehrgeld des 17-Jährigen geht vollständig für Mietanteil und Lebensunterhalt drauf. Keine Chance, davon ein kleines persönliches Taschengeld zu behalten. Und die 9-jährige Tochter tut den Unterhalt ihres Vaters komplett in die Haushaltskasse, damit’s halbwegs für alle reicht.
Wegen körperlicher Überlastung muss sie den erlernten Beruf der examinierten Altenpflegerin aufgeben. Zwar wurde eine Umschulung zur Bürokauffrau gefördert.
Nach dem Abschluss hieß es jedoch: Mit 45 Jahren zu alt!
7. Markus Neumann
Mehr als 20 Jahre Führungskraft in der Bauleitung: Markus Neumann (Pseudonym) führt ein komfortables Leben. Dass er von seinen 5.000,- € jemals auf 345,- € abstürzen könnte, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Ebenso wenig, dass es ihm – trotz brillanter Zeugnisse – mit 40 Jahren nicht gelingen würde, nach einer Rationalisierungskündigung wieder neue Arbeit zu finden.
Mit Hartz IV folgt die Aufforderung, in eine kleinere Wohnung umzuziehen.
Dann geht der Ärger erst richtig los: Der Markt gibt das geforderte Größen- und Preislimit nicht her – und schließlich das Amt nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Umzugskosten.
8. Jette Rudnicks
Jette Rudnicks (Pseudonym) abwechslungsreiches, sinn stiftendes Berufsleben beginnt mit dem Soziologie- Studium in den 60ern. Viele Jahre PR und Marktforschung.
Nach elterngeldloser Elternzeit kommen 20 selbständige Jahre: Biohandel, Journalismus und eigener Verlag.
Ein Unfall mit Folgeerkrankung und langer Arbeitsunfähigkeit löst den harten Aufprall auf Hartz IV aus. Der Kasernenton des Sachbearbeiters, die Aberkennung des Rechts auf Unverletzlichkeit der Wohnung und ein permanenter Generalverdacht des Betruges erscheinen der 65-Jährigen fast noch unerträglicher als das zum Leben zu geringe Geld.
Zu Jette Rudnicks (Pseudonym) Bild in der Ausstellung und die vollständige Geschichte ist beim Klick auf das entsprechende Bild … zu finden.
9. Francisco Ascoso
Große Armut im Franco-Spanien bewegen Francisco Ascoso (Pseudonym), mit 19 Jahren sein Glück in Deutschland zu suchen. Seine Träume platzen und er engagiert sich bei einem Schulprojekt in Nicaragua. Nach Deutschland zurückgekehrt erwarten ihn Hartz IV, eine feuchte, krank machende Wohnung und jede Menge Rechts-Ärger mit den Behörden.

http://www.sozialticker.com/noch-4-tage-bilder-einer-ausstellung-wider-die-verletzung-der-menschenwuerde-in-deutschland_20100205.html
10. Alice Wunderland
Seit dem Tod ihres Mannes vor 20 Jahren sorgt Alice Wunderland (Pseudonym) alleine für sich schließlich als Eventmanagerin für Musicals. Zwischen ihren befristeten Jobs gibt es immer mal wieder Lücken. Aufgeben gilt bei ihr nie – selbst wenn es manchmal nur 400-Jobs sind, von denen ihr nur 160 € bleiben. Die einzige von der Arbeitsagentur vermittelte Stelle geht dann so richtig schief.
Sie landet in einer Pleitefirma: kein Euro Lohn! Ihre aktuelle Hartz IV-Warteschleife zieht sich mächtig hin. Wie lange noch mit 59 Jahren?
11. Hannes Zecke
Im Dezember 2006 ist er es, Hannes Zecke (Pseudonym), den die Presse „Deutschlands frechster Arbeitsloser“ nennt. Dabei will er doch nur sein im Artikel 12 geregeltes Grundrecht verwirklichen, „Beruf“ und „Arbeitsplatz frei zu wählen“. Die DDR-Berufsausbildung zum Baufacharbeiter erkennt das vereinigte Deutschland nicht an. Er findet Gefallen an der Arbeit in der Altenpflege. Doch die Arbeitsagentur verweigert ihm die Förderung der nötigen Berufsausbildung. Dabei herrscht großer Personalmangel in vielen Alteneinrichtungen. Der Ministerpräsident eines benachbarten Bundeslandes will ihn in einen von 7 Knochenjobs – mit Rückfahrkarte zu Hartz IV vermitteln.
Zwar stellt sich heraus: bei allen kann er die Anforderungen aus gesundheitlichen Gründen nicht erfüllen. Zwischenzeitlich unterschreibt er einen anderen Arbeitsvertrag.
12. Martha Becker
Ein kreatives Leben im Theater führt Martha Becker (Pseudonym) in der DDR, 25 Jahre lang: Als Inspizientin und Tontechnikerin. Die beiden Kinder sind mittlerweile erwachsen, sie ist im Westen und trotz unermüdlicher Suche und bescheidener Ansprüche ohne Arbeit.
Zu Problemen mit der Arbeitsagentur kommt es, weil sie – um Unterkunftskosten zu sparen – in einer Wohngemeinschaft lebt. Das glauben ihr die Behörden auch dann nicht, als sie alle gesetzlich vorgeschriebenen Beweise dafür vorlegt.
Sanktion: willkürliche Leistungskürzung. Ihr wird Betrug unterstellt.
SCHICKSALE EINER MENSCHENVERACHTENDEN POLITIK VON SPD, GRÜNE, CDU,CSU UND FDP!
Und dann das Urteil vom 09.02.2010
Hartz IV Regelsätze sind verfassungswidrig
Quelle: Brigitte Vallenthin – Presse Hartz4-Plattform keine Armut! – kein Hunger! – kein Verlust von Menschenwürde!










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Die Ausstellung hat mich sehr berührt. Da mein Sohn nach seiner Lehre auch Hartz IV beantragen musste (wurde nicht übernommen), ist mir das Leid von Arbeitssuchenden sehr wohl bekannt. Momentan plant Lukas den Weg in die Selbständigkeit, worüber ich sehr froh bin.